Schulfest am 20.12.2008

Wie ihr wisst, gehört zur Fondation Stamm neben den Kinderheimen auch eine allgemein bildende Schule, an der ich Musikunterricht gebe und Cornelius einen Deutschkurs für die Lehrer anbietet. Anlässlich der Zeugnisausgabe am Ende des ersten Trimesters haben Cornelius und ich zusammen mit dem Schulleiter und einigen Lehrern ein kleines Schulfest organisiert. Bevor die Zeugnisse vergeben und die besten Schüler geehrt wurden, gab es ein Programm aus Tänzen, Theaterstücken und Liedern. Ziel war es, die Eltern für das Schulleben ihrer Kinder zu begeistern, da sie selbst oft gar nicht oder nur kurze Zeit die Schulbank gedrückt haben, und den Kindern eine Möglichkeit zu geben, mit ihren eigenen Ideen und ihrem Engagement, das erfolgreiche Ende des Trimesters als einen kleinen Höhepunkt in ihrem Schulalltag zu feiern.

Die Vorbereitungen für diesen Tag gingen schon einige Wochen vorher los. Wenn ich am Anfang noch skeptisch war, ob wir überhaupt genügend Programmpunkte zusammenbekommen würden, legten sich meine Zweifel spätestens in der Woche vor dem Fest. Überall wurde geprobt, getanzt und gesungen- ich war begeistert. Zwei Tage vor dem großen Ereignis begannen wir mit dem Aufräumen des Schulhofs, der noch eine halbe Baustelle war, und der Auswahl des Programms. Die Kinder und ich schleppten Ziegelsteine, räumten Holzbalken zur Seite, sammelten herumliegende Papierfetzen ein- alles in der prallen Sonne. Danach hatte ich einen ausgewachsenen Sonnenbrand ;)

Beim Aufräumen des Schulhofs

Beim Aufräumen des Schulhofs

Voller Einsatz

Voller Einsatz

So macht man das in Afrika

So macht man das in Afrika

Schubkarrenrennen

Schubkarrenrennen

Besonders die Kleinsten waren ganz eifrig am Werk, schnappten sich eine Schubkarre, die besaß ein Eisenrad und nur noch einen Griff, füllten sie mit Steinen und rasten damit über Sandhügel und durch Löcher zur anderen Seite des Schulhofs, um sie dort abzuladen. Das war ein Bild für die Götter, ich bin den ganzen Tag mit einem Grinsen auf dem Gesicht herumgelaufen.

Schließlich ging es an die Programmauswahl. Unter den spärlichen Bäumen auf dem Schulhof wurden Stühle aufgebaut, wir setzten uns und nach und nach trug jede Klasse ihre Beiträge vor. Es war Wahnsinn! Jeder Lehrer hatte mit seiner Klasse mindestens drei Beiträge einstudiert und die Kinder waren voll in ihrem Element. Nach 3 Stunden in der Hitze konnten wir alle nicht mehr und beschlossen, den Rest des Programms am nächsten Tag auszuwählen. Das dauerte ebenfalls noch einmal zwei oder drei Stunden, ich habe irgendwann mein Zeitgefühl verloren.

Am Nachmittag stand das Programm. Verständlicherweise waren viele traurig, dass ihr Theaterstück oder Tanz nicht ins Programm aufgenommen wurden, doch ich konnte sie damit trösten, dass sie beim nächsten Fest dabei sein würden. Besonders von meiner 6. Klasse war ich an diesem Tag hingerissen. Sie hatten sich, unter Anleitung ihres Lehrers, ein Theaterstück dazu ausgedacht, wie wichtig es ist, in die Schule zu gehen, an dessen Ende sie ein selbst edichtetes Lied sangen. Alles war auf Kirundi, ich verstand kaum ein Wort, aber, ohne Witz, ich hatte Tränen in den Augen, so gerührt und begeistert war ich. In letzter Minute konnte ich noch die elfte Klasse überzeugen, ein Lied zu singen, dass ich nur durch Zufall einmal von ihnen gehört hatte. Das sollte der Abschluss des Programms werden: ein kleiner mehrstimmiger Chor aus Jungs und Mädels, begleitet von drei Gitarren.

Samstag, Der große Tag. Um 6 Uhr morgens machten Cornelius und ich uns auf den Weg zur Schule. Das Fest sollte zwar erst um 11 Uhr beginnen, doch hier gibt es so genannte Gemeinschaftsarbeiten am Samstagmorgen, bei denen man nur auf der Straße sein darf, um zu arbeiten. Folglich bleiben die meisten zu Hause… Gegen 6 Uhr 30 kamen wir in der Schule an und die erstem Arbeiter und Lehrer waren schon da, um noch die Klassenräume zu schmücken oder das Schulhaus zu putzen. Wir begannen, aus Steinen, Tüchern und Holztischen eine improvisierte Bühne aufzubauen und es kamen immer mehr Kinder, die helfen wollten und kräftig mit anpackten. Sie wussten nur, dass das Schulfest an diesem Vormittag stattfinden sollte, doch nicht genau wann, und so waren sie nach dem Aufstehen einfach mal vorbeigekommen, um zu schauen, ob es schon losgehe.

Beim Bühnenaufbau

Beim Bühnenaufbau

Leider fing es später an zu regnen, wir mussten die gesamte Bühne wieder abhängen, um sie später wieder aufzubauen. Aber kein Problem, wir hatten ja noch einige Stunden Zeit. Der Programmablauf wurde zum ersten und letzten Mal an diesem Morgen durchgespielt. Mit etwas Glück wird’s schon gehen, dachte ich. Wir bauten Bänke auf, schmückten mit Luftballons das Schulgebäude, wobei es fast zu einer Schlägerei kam, weil alle Kinder sich in das Büro des Direktors drängten und jeder einen Ballon aufpusten wollte. Also schmissen wir kurzerhand alle raus und hängten die Ballons anschließend so hoch an die Säulen, dass die Kids nicht mehr rankamen. Das ist eine der Sachen, die ich hier wirklich als anstrengend empfinde: Gibt man einem etwas, wollen alle anderen auch und jeder versucht, als erster und am meisten zu bekommen. Selbst bei so banalen Sachen wie Luftballons… Nach und nach trudelten viele Eltern ein, die Kinder probten noch mal ihre Beiträge in den Klassenräumen und gegen 12 Uhr ging es endlich los. Ich war ziemlich aufgeregt.

Die Ränge füllen sich

Die Ränge füllen sich

Von Oben

Von Oben

Die Einleitung war ein Begrüßungstanz. Eigentlich sollten diejenigen, die als nächstes dran waren, hinter der Bühne warten, doch das klappte nicht und zu Anfang hatten Cornelius alle Mühe, rechtzeitig die Klasse zu finden, die als nächstes auftreten sollte. Wir wieselten hinter und neben der Bühne hin und her und hatten nebenbei alle Hände voll zu tun, die kleinen Kinder einigermaßen ruhig zu halten.

Cornelius & Ich während des Programms

Cornelius & Ich während des Programms

Genau in diesem Moment fing es auch noch an zu regnen, doch die Eltern saßen im Trocknen, die Lehrer spannten ihre Schirme auf und den Kindern schien das nichts auszumachen. Es lief alles super ab, besonders ein Rap und das erwähnte Theaterstück der 6. Klasse sowie zwei Gedichte, die zwei Kinder aus der 2. Klasse auf Französisch vortrugen, ernteten Begeisterung und Applaus beim Publikum.

Traditioneller Tanz

Traditioneller Tanz

Kindergartenkinder bei ihrem Auftritt

Kindergartenkinder bei ihrem Auftritt

Umuduri & Trommel

Umuduri & Trommel

Gedichtvotrag der Zweitklässler

Gedichtvotrag der Zweitklässler

Rap auf Kirundi

Rap auf Kirundi

Zwei Fischer im Theaterstück der 6. Klasse

Zwei Fischer im Theaterstück der 6. Klasse

Lied der 6. Klasse

Lied der 6. Klasse

Leider gibt es in der Schule momentan noch keinen Strom, weshalb alles ohne Mikrofon stattfand und dadurch Einiges unterging. Am Ende waren aber sowohl Lehrer als auch Schüler zufrieden und ich glaube, so manche Mutter und so mancher Vater haben sich an diesem Tag gewundert, was für ein Talent in ihrem Kind steckt. Ich war ziemlich glücklich über diesen Tag und völlig von den Socken, wie engagiert viele der Lehrer an diesem Tag waren und wie vielseitig und begeisterungsfähig die Kinder sind.

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