Hallo ihr Lieben!
Lang, lang ist’s her, dass ihr von mir gehört habt, was nicht heißt, dass nichts mehr passiert! Eher im Gegenteil: das Leben hier wird immer bunter und wir lernen es jeden Tag ein bisschen besser kennen.
Mein Kirundi macht langsam Fortschritte, so oft wie möglich spiele ich Gitarre, um fit für den Musikunterricht zu sein, und auch das einheimische Essen macht mir nicht mehr zu schaffen.
Mittlerweile weiß ich sogar, wie man aus Kochbananen Pommes Frites macht und wie man Spätzle selber machen kann. Ich sag euch, wenn ich wiederkomme, kann ich kochen ^^
Auch wenn die folgenden Ereignisse schon etwas länger zurück liegen, will ich euch trotzdem nicht vorenthalten, was alles so passiert bei uns!
Freitag, 26. September 2008
An diesem Tag habe ich zu ersten Mal die Gitarre mit in den Kindergarten genommen und wir haben mit den Kleinen „Sur le pont d’Avignon“ gesungen. Dazu habe ich mich in die Mitte gehockt und die Kinder sollten im Kreis um mich und die Gitarre tanzen, aber das gab ein riesiges Durcheinander und jeder wollte mal die Gitarre anfassen und darauf rumschrummeln. Also habe ich mir immer drei oder vier Kinder geschnappt und wir haben in kleinen Grüppchen getanzt.
Ich finde es wirklich schwierig, mit den Kindern zu kommunizieren, wenn man ihre Sprache nicht spricht. Man kann nicht das sagen oder erklären, was man eigentlich möchte und auch aus ernst gemeinten Verboten auf Französisch wird ein Spiel gemacht, weil sie die einfach noch nicht verstehen.
Und trotzdem: wenn ich nach Hause gehe und mit etwas Abstand auf den Tag blicke, kann ich über meine eigene Angespanntheit lachen und weiß, dass, wenn ich das nächste Mal wiederkomme, alles schon ein wenig besser gehen wird.
Als ich am Nachmittag mit einem Mitarbeiter der Fondation nach Buterere gefahren bin, standen wir mit unseren Moto-Taxis im Stau und jemand hat sich an meinem Rucksack vergriffen. Er war aber zum Glück zu langsam und hat es nur geschafft, den Reißverschluss zu öffnen. Im Stau beklaut werden, daran habe ich nicht gedacht…
Am Abend habe ich hier bei uns im Heim Mikrokredite verteilt, in Form von Kleidung. Die Frauen, die hierher kommen, wohnen alle in der Nähe und verkaufen die Sachen auf verschiedenen kleinen Märkten in der Nähe.
Samstag, 27. Oktober 2008
Zusammen mit einigen Burundern haben wir uns heute am Strand zu einem Picknick und zum Baden getroffen. Als es essen gab, kamen die Kinder, die am Strand gespielt hatten zu uns, haben sich ganz nah zu uns gesetzt, an unseren Kleidern gezupft und auf etwas zu essen gewartet. Wir waren ein wenig hilflos. Einerseits wussten wir, dass die Kids wahrscheinlich viel mehr Hunger haben als wir und hätten ihnen unser Essen überlassen können, andererseits hilft ihnen das wenig und wir vermitteln dabei genau das, was wir eigentlich nicht wollen, nämlich ein Bild von uns als reiche Weiße Geber. Aber was tun, wenn di Kinder nun mal Hunger haben? Ich wusste es nicht.
Als ein Teller zu Boden viel haben sie sich darauf gestürzt und vom sandigen Boden gegessen.
Montag, 29. September 2008
Zusammen mit den Lehrern sind wir am Morgen mit dem Bus zum Kindergarten nach Kajaga gefahren. Aufgrund der hohen Spritpreise kann er morgens nur eine Tour fahren, wobei es eigentlich zu viele Leute sind, die gar nicht alle in den Bus passen. Aber irgendwie arrangiert man sich schon, sitzt dann nicht zu dritt, sondern zu fünft oder sechst auf einer Bank und tut sein möglichstes, um seinem Nachbar in den Kurven Blessuren aller Art zu ersparen.
Und voilà: Die Kinder haben das Lied vom letzten Mal wiedererkannt und wir konnten mit ihnen tanzen!
Nach dem Ende des Unterrichts habe ich mit einer Kindergärtnerin einen Schnellhefter angelegt und ihr beim Einordnen der Blätter geholfen. Als ich ihr den Locher zeigte und sie fragte, ob sie wisse, was das ist, antwortete sie: „Ist das nicht ein Musikinstrument?“
Ich bin aus allen Wolken gefallen. Aber eigentlich ist es ganz logisch, dass sie nichts damit anzufangen wusste, denn hier mangelt es an allem und selbst in der Schule sind Büromaterialien eher rar. Und wenn etwas nicht genutzt wird, weiß auch niemand, wie es funktioniert.
Am Abend waren wir zu einer Feier zum Ende des Ramadan eingeladen- ein skurriles Erlebnis! Im Garten war aus Planen und Holzpfählen ein Zelt aufgebaut. Darunter, in ordentlichen Reihen, Stühle, die, als wir kamen, zum Großteil schon besetzt waren. Das heißt, wir gingen unter den Augen aller zu freien Plätzen und mir war so, als würde uns jeden Moment jemand auffordern, eine Rede zu halten.
Später, wir hatten herausgefunden, dass die Rede, die wir aufgrund des doch sehr formellen Arrangements der Stühle erwartet hatten, ein Trugschluss war, wurde getanzt. Besonders die Männer ernten hier durch elegante Hüftschwünge Applaus und Jubelpfiffe. Verkehrte Welt ^^
Freitag, 3. Oktober 2008
Musikunterricht, Klappe die Erste!
Jeden Donnerstag unterrichte ich ab heute die beiden fünften und sechste Klasse der Schule der Fondation. Die Kinder, zwischen 12 und 16 Jahren alt, sind hier an den Frontalunterricht gewöhnt und ich versuche sie zu ein bisschen mehr Eigeninitiative im Unterricht zu ermutigen.
Los geht’s: ich hatte damit begonnen, mich ein wenig vorzustellen, wo ich herkomme, wo Deutschland überhaupt liegt und was ich hier in Burundi mache. Danach dachte ich mir, wäre es gut, mit einem „einfachen“ englischen Lied zu beginnen. Zu dem Zeitpunkt war mir noch nicht bewusst, dass die Kinder ja erst in der fünften Klasse mit dem Englischunterricht beginnen! Erst als niemand mitsang hat es mir langsam gedämmert…
Planänderung: Ich habe ihnen versprochen, das Lied zum nächsten Mal auf Französisch zu übersetzen und wir haben nur die Melodie gelernt. Das ging ab! Außerdem gab es verschiedene Bewegungen, die sie machen sollten, Händeklatschen, Fußgetrappel usw. Zum Schluss hat das ganze Schulhaus gebebt, die Kinder waren mit vollem Einsatz dabei.
Während ich auf meinen Nachmittagsunterricht gewartet habe, hat sich ein Englischlehrer zu mir gesellt und wir haben zusammen gesungen und Gitarre gespielt.
Ungefähr jeder zweite Lehrer hat mich gefragt, ob es nicht möglich wäre, dass ich ihm Gitarrenunterricht gebe… Leider nicht, habe ich gesagt, aber wir haben geplant, mal einen Singnachmittag zu machen.
Donnerstag, 9. Oktober 2008
Musikunterricht, Klappe die Zweite.
Nach dem Fettnäpfchen mit dem englischen Lied haben wir es heute au Französisch versucht. Doch selbst dort haben die meisten noch Probleme. Das kommt daher, habe ich mir sagen lassen, dass die Kinder zwar ab der ersten Klasse schon Französisch lernen, der restliche Unterricht aber noch auf Kirundi ist, das sie ja auch noch nicht beherrschen, und meist noch Suaheli dazukommt. Ein Lehrer sagte mir, dass viele selbst in der Oberstufe noch Probleme mit grundlegenden Französischkenntnissen hätten.
Freitag, 10. Oktober 2008
Nach der Vergabe von Mikrokrediten am Nachmittag, habe ich abends mit Anne, der Praktikantin, an einem Capoeira-Kurs teilgenommen! Das war echt witzig. Ich habe zuerst mal den Grundschritt gelernt und später auch zwei Ausweichmanöver. Ihr glaubt gar nicht wie anstrengend es ist, die ganze Zeit in gehockter Haltung hin und her zu pendeln, ständig in Bewegung zu bleiben und sein Gegenüber selbst bei allen möglichen Drehungen im Blick zu behalten. Ich hatte danach vier Tage Muskelkater.
Später waren wir zu einem Barbecue am Strand eingeladen und sind, zur Feier von Claires Geburtstag, tanzen gegangen.
Sonntag, 18. Oktober 2008
Zusammen mit Rüdiger Kilian, einem erfahrenen deutschen Apotheker, der in der Schule in Kajaga für die Installation des Labors zuständig ist, sind Cornelius und ich heute im Mini-Nationalpark von Bujumbura gewesen. Dort kommt man nur mit einem Jeep voran und das auch nur sehr langsam. Zwischendurch konnten wir aussteigen und Nilpferde, ein Krokodil und Vögel beobachten. Uns wurde gesagt, dass der Tanganyika-See vor ca. 50 Jahren noch bis zu der Stelle ging, an der wir standen. Das ist mehr als 1 km vom Ende des heutigen Sees entfernt!
Am späten Nachmittag sind wir zur Universität gefahren. Die liegt ganz oben auf einem Berg und von dort kann man auf die Stadt hinunterschauen. Ein komischer Anblick: Überall sind vereinzelt Lichter, es gibt nur eine Straße, die komplett erleuchtet ist und man weiß, dass überall in den dunklen Flecken auch Menschen wohnen. Nur eben ohne Strom.
Die Uni wurde 1950 von den Jesuiten erbaut. Soweit ich weiß hat sie ca. 3000 Studenten, von denen einige direkt auf dem Campus leben, in kleinen Zimmern, die direkt von einem schlecht beleuchteten Flur ohne Fenster abgehen. Sie studieren dort entweder in der Fakultät Mechanik, Städtebau oder Städteplanung.
Das Unigelände befindet sich im Bau, es gibt bereits Basketballplätze und ein Fußballfeld und momentan werden die Schwimmbecken erneuert und ausgebessert.
Dienstag, 21. Oktober 2008
Ich hatte heute das erste Mal die Möglichkeit, mit den Trommlern aus Kanyosha zu üben!
Die haben mir zwei Trommelstäbe in die Hand gedrückt, mich vor eine dieser Riesentrommeln gestellt und dann sollte ich spielen! Das ging auch ziemlich gut und nach einer Weile bin ich so begeistert gewesen, dass ich gar nicht mehr aufhören wollte. Es ist ein Wahnsinnsgefühl, wenn 10 Leute zusammen trommeln. Man sieht nur noch die anderen hinter den Trommeln und konzentriert sich auf den Rhythmus, so lange, bis man nichts anderes mehr hört. Irgendwann spielt man wie von selbst.
Donnerstag, 23. Oktober
Mein Musikunterricht macht Fortschritte: nachdem die Kinder letztes Mal einen Rhythmus und ein Lied aus Südafrika gelernt haben, sollten sie heute beides zusammensetzen. Nach langem Üben und unzähligen Wiederholungen hat das ziemlich gut geklappt. Sie haben halt doch Rhythmus im Blut^^
Während ich auf eine Mitfahrgelegenheit nach Hause gewartet habe, habe ich mit dem Brotbäcker der Fondation ein bisschen Kirundi gelernt. Da er kein Französisch spricht, hat er es mir auf Englisch erklärt, wir haben nicht schlecht gelacht.
Freitag, 24. Oktober 2008
Ihr werdet es nicht glauben, aber auch um Burundi haben einige deutsche Bräuche keinen Bogen gemacht. Unter anderem das Oktoberfest! Das fand hier am letzten Wochenende statt und wir waren zu neugierig, um nicht hinzugehen! Und wirklich, es war alles, wie es sein muss: Zum Essen gab es Schweinshaxe, Weißwürste oder Eisbein, eine burundische Blaskapelle hat echte deutsche Schunkellieder gespielt und in der Mitte gab es, wie sollte es anders sein, eine kleine hölzerne Tanzfläche. Für die ganz Mutigen…
Anscheinend findet das „Fête de la bière“, das Fest des Bieres, wie es hier heißt, großen Anklang, denn schon seit mehreren Jahren findet es regelmäßig statt und jeder hier in Bujumbura kennt es. Einziges Manko: Das Bier kommt gar nicht aus Deutschland, sondern aus Burundi ^^
Samstag, 25.Oktober 2008
Heute ging es wieder auf zum Trommeln mit den Jungs im Straßenkinderheim!
Dieses Mal hat uns der Lehrer ein neues Stück bzw. einen neuen Tanz gezeigt. Das Trommeln funktioniert nämlich folgendermaßen: Alle stellen sich mit ihren Trommeln in einem Kreis auf. Sie fangen nach einem bestimmten Ritual an zu trommeln und singen auch dazu. Einer von ihnen geht dann vor und tanzt zu dem Rhythmus der anderen. Dabei machen sie alle möglichen Verrenkungen und Sprünge und man kann nur fasziniert zuschauen.





Jule Sagte:
on Oktober 29, 2008 at 7:24
Hey Anna,
Mensch ist das schön mal wieder von dir zu lesen!
Also erstmal bin ich total beeindruckt, wie du das dort scheinbar alles meisterst. Irre! Und ebenso fasziniert haben mich die Beschreibungen deiner vielen neuen Erlebnisse und dazu die tollen Bilder! Ich beneide dich so sehr!
Hier in der Heimat gibt’s nicht sooo viel neues. Wir trainieren jetzt viel, weil wir ja am 23.11. bei der Jahresabschlussgala von Samuels auftreten. So treffen wir uns jetzt zum Beispiel am Dienstag schon ne Stunde vor dem Tanzen in der Eckkneipe und üben dort und am Wochenende dann bei irgendwem zu Hause… Wir sind glaub ich schon richtig gut. Auch wenn wir die Bambams schon wieder nicht mehr hören können!
Naja, wir schaffen das schon irgendwie. Schade, dass du nicht dabei sein kannst, aber es gibt sicher wieder eine DVD von der Gala.
So, jetzt erstmal weiter arbeiten… Ich warte dann mal gespannt auf den nächsten spannenden Bericht aus dem viel zu fernen Afrika!
Drück dich! Jule
Sarah Sagte:
on Oktober 29, 2008 at 4:51
ja also , da muss ich jule ja mal recht geben…hört sich wirklich alles echt spannend an und naja all zu viel langeweile scheinst du ja nicht zu haben:)
ja wir üben üben und üben und naja wie jue schon meinte-wir sind recht gut geworden, auch das training ist etwas anders, also er schaut jetzt genauer und man muss zu dritt vor den rest tanzen und sone tollen sachen und danach gibt es eine konstruktive kritikrunde:D
ja naja ansosnten gibt es mehr oder weniger was neues, aber so viel nu auch wieder nicht….
also wir hören uns und wenn du mal wieder skypen willst oder so, sag bescheid!!!
umarm dich mein schnucki:)
Thinka Stinka Sagte:
on Oktober 29, 2008 at 6:13
annaaaaa!!!!
mensch…gut dasses nen lebenszeichen vo dir gibt….hab auch nich dran gezweifelt, sondern eher gedacht das es dir dort zu gut gefällt (und du uns vergessen hast*schnief*)nein natürlich nich
ick würd ja gern ma nach burundi durchcalln, aber ditt is do höllisch teuer bei unserer telefongesellschaft….wei siehtsn aus mit skypen?
steht das unter deine kontaktadressen?na ick kiek gleisch ma
ansonsten kannste mich auch adden minka.kathink
so hope you are well.leep having this lot of fun you seem to have.rock burundi und ganz africa baby!
kisses, hugs und aller anderer tussikram
alta und schick ma wart
Thinka Stinka Sagte:
on Oktober 29, 2008 at 6:14
ick war doch noch ja nisch fertisch…
also ick wollte sagen das du doch bitte mal nen paar celsiusgrade herschicken sollst, ich schick dafür nen paar windböen ausm nordn!!!
Bettsy Sagte:
on November 12, 2008 at 7:06
hey anna….schön, hier mal wieder was von dir zu hören!!! wir müssen umbedingt telefonieren…viel passiert und ich würde gern wissen, was du dazu berichten kannst, ich hoffe, dir gehts gut!!!
also hauste rin! ick vermiss dich, alte!
aber cool man, dass du so viel zu tun hast…bei mir ist nach 1 1/2 monaten leider immer noch nich wirklich was los
Kerstin Sagte:
on Dezember 7, 2008 at 2:43
hey du
ich bin Kerstin, eine der ehemaligen Freiwilligen und schau auch ab und zu mal auf deinen blog um noch ein bisschen im bilde zu sein was in burundi so passiert. Besonders hab ich mich natürlich gefreut den kleinen Danni/Nzahali (der Batwa-Junge) auf einem der Fotos zu sehen. Mit ihm ist es besonders schwer Kontakt zu halten und es ist schön zu sehen, dass es ihm gut geht. Der is übrigens schon 6 oderso (sagt jedenfalls sein onkel/bruder) und nur durch die magelernährung so klein geblieben. Hoffentlich kriegt der Kleine keine Abschiedsängste.
naja, ich freu mich jedenfalls, dass ihr alles so gut macht und die kinder größtenteils glücklich sind und alles.
Wünsch dir noch ne tolle zeit und bis bald
kerstin